Morbus Crohn

M.Crohn ist eine Chronische Darmentzündung, deren Ursache nicht klar definiert werden kann.

Erbliche Anteile (Gene) sollen eine Rolle spielen, aber auch psychologische Ursachen haben zum Krankheitsverlauf eine entscheidende Rolle. Oftmals geht der Krankheitsverlauf mit einer Nahrungsmittel-unverträglichkeit einher.

Durch die dauerhafte Entzündung im Darm ergibt sich irgendwann eine perforierte, verhärtete und angeschwollene Darmwand. Diese reagiert mit verstärkter Schleimbildung, meistens hat man auch einen starken Blutverlust und leidet unter starken Bauchkrämpfen, Durchfällen. Weiterhin man fühlt man sich abgeschlagen und schlapp.

Zumindest bei mir hat dies alles zugetroffen.

Mit 9 Jahren ist die Krankheit nach einem Urlaub und einer anschliessenden Grippe ausgebrochen. Jahrelang wurde herumgedoktert. Bis der M.Crohn schließlich mit 15 Jahren Diagnostiziert wurde. Alle Medikamente bis hin zum Kortison versagten deren Wirkung. Nur die Nebenwirkungen, die hatte ich alle.

Zeitweise war ich aufgeschwommen wie ein Schwamm, zeitweise Spindeldürr. Die Kortisonakne brachte Pickel hervor, die in der Größenordnung von Haselnüssen einzuordnen wären.

Irgendwann bekam ich Fisteln (kleine Gänge zwischen Darm und anderen Organen oder Haut) und Abszesse (große Eiterherde).

7 mal lag ich wegen Fisteln und 3 Mal wegen Abszessen unter dem Messer.

 

19 Jahre alt:

Nachdem mehrere Kuren die nichts brachten, und nach langer künstlicher Nahrungsaufnahme hatte ich täglich extreme Schmerzen, starke Blutarmut und hatte ein Gewicht von 42 Kg.

Ich wollte einfach nicht mehr. Ich sah keinen Sinn mehr darin, zu leiden. Ich konsultierte noch einmal meinen Arzt. Ich kann heute nicht mehr genau sagen warum ich noch zu Ihm gegangen bin. Er bemerkte wie ich am Ende war und fand heraus, was ich vorhatte zu tun. Dann organisierte eine (Krankenwagen) Freifahrt in eine andere Uni-Klinik, als die bei der ich seit Jahren in Betreuung war. Starke Suizidgefährdung stand da wahrscheinlich in den Papieren.

Die dortigen Ärzte legten mich bereits nach 2 Tagen auf den OP-Tisch. Mein Dickdarm wurde zu 80% stillgelegt und ein künstl. Darmausgang (Stoma) angelegt. Vorteil dieser OP sollte sein, dass sich der nun ruhig gelegte Darmteil erholen sollte.

Es waren die schwersten 10 Tage meines Lebens. Ich war einfach zu schwach für diese schwere Operation. Ich wurde ständig Ohnmächtig, reagierte mit Schock auf die verabreichte Penizillinsorte, hatte Kreislaufversagen etc.

Diese Zeit hängt immer noch in meinen Gedanken fest, wie ein extremer Alptraum, über den man Stundenlang Nachdenken muss.

Am Tag 15 nach dieser Operation fühlte ich mich nun wieder einigermaßen fit. Ich bestieg mein Wohnmobil (das hatte ich mir wegen der Durchfälle gekauft und mich hoch verschuldet...) und fuhr mit meiner Freundin Elke nach Spanien. Ich hatte nur den Gedanken... Entweder wird es besser, oder ich kehre nicht mehr nach Hause.

Plötzlich begann mein Leben aufs neue. Ich tankte Energie wie noch nie. Mir ging es nach 2 Wochen so gut wie nie zuvor. Ich war zwar nicht geheilt, aber ich fühlte mich wohl.

2 Monate später hatte ich auch wieder Fleisch auf den Knochen. Das ging so schnell, wie ich es nie vermutet hätte.

Hier muss ich mich noch einmal bei Elke bedanken. Sie hat mich seit ich 17 war, in jeder Situation begleitet. Hat mir zugesprochen, Händchen gehalten und alles dafür getan, dass es mir besser gehen würde. Das war sicher nicht leicht.

So lebte ich weitere 2-3 Jahre gut genährt und glücklich und darf mich seither offiziell als schwerbehindert mit einen Grad von 80% bezeichnen.

Januar 1991

6 Monate zuvor hatten Elke und ich uns wohntechnisch getrennt. es lief halt nicht so, wie man sich das vorstellte. Wir trafen uns aber immer noch regelmäßig. Ich liebte Sie. Wir sprachen wieder darüber zusammenzuziehen und ich Überlegte damals wirklich ob ich Sie fragen sollte, mich zu Heiraten. Ich wäre dazu bereit gewesen.

Der Anruf der Kripo kam wie ein Bauchschlag:

Elke ist Tot.

Auch heute spüre ich, wenn ich dies Schreibe, wie sich alles in mir zusammenzieht. Akutes Kreislaufversagen wurde vermutet. Noch heute weiß ich nicht, was wirklich passiert ist.

Innerhalb einer Sekunde wurde mir der Boden unter den Füssen weggezogen.

    Warum sie und nicht Ich?

Ich wollte doch Schluss machen. Sie war es die mich die ganze Zeit davon abgehalten hatte. Und jetzt war sie weg. Ich begriff die Auswirkung lange nicht. Immer wieder dachte ich, dass ich in einem schlechten Traum gefangen bin, und irgendwann wieder erwachen sollte.

Selbst heute noch spreche ich noch manchmal mit Ihr und dann kommen mir Tränen. Ich war seit Elkes Beerdigung nie wieder an ihrem Grab. Ich würde das nicht schaffen.

 

Gleichzeitig hatte ich jedoch eine Reise nach Miami gewonnen. 2 Tage nachdem ich von Elkes Tod erfahren hatte ging der Flug.

Was hätte ich tun sollen? Ich entschied, alles hinter mir zu lassen und zu Fliegen. Gitti begleitete mich. Es war natürlich kein schöner Urlaub. weder für mich, noch für Gitti.

Aber ich danke Ihr für die Ablenkung die Sie mir verschaffte, indem Sie mich immer wieder trieb irgend etwas zu Unternehmen.

Wieder zuhause flüchtete ich in den Alkohol und in eine andere Beziehung. Diese dauerte naturbedingt nur 6 Wochen und war gut für mich, um dem Schmerz zu entfliehen.

Dem Zuspruch zum Alkohol frönte ich nicht sehr lang. Er half mir auch nicht über den Schmerz hinweg. Zu diesem Zeitpunkt lernte ich aber meine Ex-Frau U. kennen, mit der ich später meine 2 wunderbaren Kinder zeugte. Auch Sie half mir sehr über die Entstandenen schmerzen hinweg.

Dieser Tiefschlag mit Elke brachte jedoch meinen M.Crohn wieder zum Aufblühen. Ich war wieder an die Toilette gefesselt, verlor jegliche Lust am Arbeiten und an allem was das Leben so bietet.

Dieses Mal wartete ich aber nicht so lange und ich legte mich wieder auf den OP-Tisch. Mittlerweile war mein Stillgelegter Darmteil dermaßen zerfressen, dass nur die Entfernung übrig blieb. Dies hieß in diesem Moment für mich, dass ich das Stoma mein Leben lang tragen müsste. Ich erhielt nun ein Dünndarm-Stoma welches heute noch meinen Bauch ziert.

Seit dieser Operation betrachte ich den M.Crohn als geheilt. Meine Einstellung zu diesem Thema ist durchweg positiv. So habe ich bis heute nur geringe schwankungen in diesem Bereich des Gesundheitszustandes erlebt.

Bei dieser zweiten Operation erhielt ich Blut aus der Konserve. 2 Wochen nach dieser OP sollte ich zu einer Nachuntersuchung kommen und erhielt plötzlich den Befehl

    "hierbleiben und Atemmaske anziehen!"

Was war geschehen? Ich litt plötzlich unter einer akuten Leberentzündung.

Nach ca. 6 Monaten durfte ich das Krankenhaus wieder verlassen. In dieser Zeit wurden unzählige Untersuchungen vorgenommen. Ansonsten saß ich den ganzen Tag nur herum und durfte keinen "Stress" erleiden. Wobei das Rumsitzen stressiger war, als alles was ich hätte zuhause tun können. Ich bekam keinerlei Medikamente, da die Leber geschont werden sollte. Mit der Diagnose " Non A  Non B Hepatitis" verließ ich das Krankenhaus.

Man schob die Leberentzündung auf eine angebliche Medikamentenunverträglichkeit und die Sache geriet in Vergessenheit.

 

Aber was das mit der Leberentzündung wirklich war, erfuhr ich erst ca. 13 Jahre später...