Musik:

Wie oben beschrieben hab ich lange als DJ gejobbt.

Zum Glück muss ich das jetzt nicht mehr - der Drang dazu ist glücklicherweise kaum noch vorhanden.     (Kann ein Suchtmittel sein...)

Aber die liebe zur guten und lauten Musik sind geblieben. Unter "guter" Musik hab ich früher den typischen 70er Jahre-Rock verstanden:

   AC-DC, Scorpions, Black Sabath etc.

Auch der 80er Pop fand ich ganz angenehm, zumindest wenn es nicht stupider Fox oder ähnliches war. Die Typischen alternativen Musikrichtungen waren auch korrekt. So hörte ich ich die Rocky Horror Picture Show, Andreas Vollenweider, die alten Genesis-Platten mit Peter Gabriel, Marillion mit vorliebe.

Irgendwann führte mich ein Freund in die Geheimnisse des Jazz ein. Ganz sanft über  Santana, Frank Zappa etc. bis hin zum Außergewöhnlichen. Ich verschlang Gong und Al Di Meola, Passport, David Sandborn und alles was nicht "Kommerz" war.

Irgendwie hätte ich damals schon merken müssen, als ich 1982 Marillion zum ersten mal hörte, dass es das "besondere" ist, was mich reizt.

Die ersten 6 Jahren meiner Ehe bedeuteten für mich musikalischer Stillstand. Ich hatte kaum noch Gelegenheit, Musik zu genießen.

Während eines langsamen Abkopplungsprozesses erkundete ich Crunch, Tekkno, Rave etc.

Für den Moment war dies auch OK. Allerdings gab mir diese Musik nicht das was ich von früher gewohnt war. Ich wusste lang, dass das "alte" und das "neue" Zeug einfach nicht das für mich hergibt, was an Potential in der Musik stecken konnte.

 

Eines Tages ging ich zur Walpurgisnacht ins Old-Abby.

Ich hatte einen Mordsbammel in eine Dark-Disco zu gehen, wurde aber mitgeschleppt.

Da war es wieder. Der Sound. Mensch, ich dachte nur das ist es!!!

    Dark, Gotik, Wave, EBM, Elektro, Industial.

Genau die richtige Mischung aus Heavy, Synti, Balladen, Tekkno.

Warum hab ich das vorher nie begriffen? Ich dachte ich kannte die Szene und dem war eindeutig nicht so. Ich hatte schon oft "Schwarzkittel" gesehen. Ich legte deren Musik auf. Aber eben nicht in dieser Konsequenz. Mir ging an diesem Abend alles durch den Kopf (musikalisch gesehen).

Depeche Mode, Human Leaque, Jean Michael Jarre, Kraftwerk, Eloy, Ougenweide...

All das habe ich geliebt aber ich dachte nicht im Traum dran, dass es jemand geben würde, der das heute noch hört, geschweige dass es in dieser Richtung noch aktuelle Produktionen gibt.

An diesem Abend merkte ich, dass ich mich als DJ nur auf einer Stelle bewegt hatte. Klar hab ich mich entwickelt. Aber wenn man nichts anderes hört als Radio, ViVa, MTV... und keine Leute aus dieser Szene kennt, woher soll es dann kommen?

Ich hatte auch immer Angst, in diesen Kreisen würden Jungfrauen geopfert etc. Heute kann ich nur darüber lachen. Ein Klischee...

Dieser Discobesuch: Es war wie beim ersten Sex:

  (wenn es so läuft, wie man sich das damals vorgestellt hat, dass es laufen sollte)

Ich wusste nicht genau worauf ich mich da einließ.

Ich hatte Angst, war aber auch neugierig. Als es begann war ich zögerlich aber in dem Moment in dem das Hirn die Kontrolle abgab, konnte ich alles in vollen Zügen genießen.

Alles was einem vorher als richtig und klar vorkam wurde plötzlich klein und nebensächlich.

Nur der Augenblick zählt.

Jeder Augenblick war ein Orgasmus meiner Seele.

 

Eine Stunde später fand ich mich auf einer Lautsprecherbox liegend wieder. Mit geschlossenen Augen, nur der Musik verfallen. Nichts war mehr wichtig.

 

 Ich bin zuhause...